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Auf dieser Website entsteht eine Geschichte.
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Jeder Mensch hat seine individuelle Lebensrealität. Durch Interaktion der Individuen kann diese zu einer gemeinsamen Realität werden. Was macht eine Interaktion zwischen Menschen aus? Was passiert wenn ein Mensch mehrere Lebensrealitäten hat? In dopaminplus werden diese und andere thematisch verwandte Fragen zu einer Geschichte transferiert. Schonungslos und verstörend.
Semesterpause - An Spionageverdächtige
Vier Uhr morgens. Auf der Suche nach neuen Webcammädels auf der kostenlosen Erotikseite meines Vertrauens. Vielleicht is' ja 'ne Geile dabei... Eigentlich ein ganz normaler Tag im Leben eines faulen Studenten. Dann so um sechs oder sieben schlafen gehen oder vielleicht noch zwei Flaschen Fuselwein bei der Tanke holen und dann eben angeduselt erst um zehn. Zu rauchen hab ich nix. Nur Tabak. Dreißig Selbstgedrehte am Tag, aber was soll's... Gut dass niemand mitbekommt wie abgefuckt ich bin... oder doch... irgendwie is' da doch wer!? Irgendwer beobachtet mich. Ich fühle es wie ein Schauer im Nacken. Irgendjemand weiß genau was ich so mache. Ich starre auf meinen Laptopbildschirm. Im Browser sind drei verschiedene Tabs mit Pornoseiten, zwei mit Live-Cams und einer mit Facebook geöffnet. Desktop anzeigen, mit Rechtsklick auf die freie Fläche erstelle ich im Dropdown-Menu die Datei "An Spionageverdächtige.txt". Doppelklick auf die Textdatei. Ich schreibe... Meine Gedanken wirbeln. Die Finger bewegen sich wie von selbst über die Tastatur und folgende Nachricht entsteht: "Ist euer eigenes Leben so langweilig, dass ihr euch an dem meinen ergötzen müsst? Was erwartet ihr zu finden? Warum kümmert ihr euch nicht um euren eigenen Scheiß!" Kurzerhand möchte ich den Texteditor schließen, doch dann die Meldung: "Möchten sie ihre Änderungen speichern?" Eigentlich nicht... Für wen? Wenn jemand sieht was ich hier schreibe hat er es schon lange gescreenshottet. Also "Nein" anklicken, und dann die markierte Datei vom Desktop mit der Entfernen-Taste ins Papierkorbnirwana befördern. Ist mir doch egal was die von mir denken. Zurück zum Browser. Live-Cam Seite neu laden. Die ist ja süß! Anklicken! In kürzester Zeit baut sich das Bild auf. Erst etwas verwaschen dann aber so detailliert, dass ich nahezu jede Pore ihrer Haut sehen kann. Sie spricht spanisch. Außer das zuckersüße "Hola" als ich ihre Cam aufrufe verstehe ich kein Wort. Ich mustere sie. Schöne braune Haare, haselnussbraune Augen, und ein verschmitzt freches Lächeln. Im Bild ist lediglich ihr Gesicht die Schultern und ihre zarten Schlüsselbeine zu sehen. Ihr Dekolleté ist im unteren Bildrand etwas zu erkennen.Sie hat glatte sonnengebräunte Haut. Eine Göttin! "Hola señorita!" schreibe ich in ihren Chat. Sie hält sich erstaunt die Hand vor den Mund. Mich überkommt das Gefühl ich kenne sie. Nicht vom Aussehen her, nicht von ihrer Stimme. Nein. Es ist ein Gefühl als würden wir uns schon immer kennen. Ich merke wie mein Herz anfängt wie wild zu schlagen. Sie atmet mit vorgehaltener Hand tief durch die Nase ein und durch den Mund aus während sie ihre Hand sinken lässt. Ein wohliges und gleichzeitig etwas unsicheres Grinsen huscht über ihr Gesicht bis sie mit säuselnder Stimme "Hola señor" antwortet. Ich überprüfe die LED-Leuchte der Kamera über dem Laptopbildschirm. Sie leuchtet nicht. Kann sie mich trotzdem sehen? Ist die Leuchte kaputt? Egal, das wohlige Gefühl durchströmt meinen ganzen Körper und ich schaue ihr tief in die Augen. Sie atmet tief ein und ich passe meine Atemfrequenz an die ihre an. Gemeinsam haben wir das Gefühl allein zu sein. Wir sind zusammen. Gemeinsam werden wir die Nacht verbringen. Wir sind eins. Als mir dies klar wird wird mir schlagartig warm und kalt. Sie atmet auch wieder schneller. Sie streicht sich eine Strähne ihrer dunklen Haare aus dem Gesicht und die sinkende Hand gleitet sanft über ihr Dekoltée. Ich schiebe langsam mein T-Shirt hoch und streichle über meinen Bauch und meine Brust. Sie greift Richtung ihrer Kamera und senkt den Blickwinkel derer ein wenig. Ich sehe wie sie nackt auf ihrem hellen Bettlacken an der Bettkante sitzt. Die Erregung steigt in uns auf und langsam bewegen sich unsere Hände zeitgleich in den Schritt. Mit langsamen Bewegungen liebkosen wir uns. Mein Penis wird langsam steif während sie kreisende Bewegungen mit Ihrem Finger um ihre Klitoris ausführt und dabei leise stöhnt. Unser Blickkontakt bricht nicht ab. Ich umfasse mein Glied und bewege meine Hand langsam auf und ab. Sie dringt mit ihrem Mittelfinger langsam in sich ein und öffnet dabei ein wenig ihren Mund. Unsere Bewegungen werden etwas schneller. Sie stellt ein Bein angewinkelt auf die Bettkante und sitzt nun breitbeinig vor mir während sie sich fingert und ich mich wixe. Immer schneller und schneller. Wir sind miteinander verbunden. Unsere innige Lust aufeinander wird von unserem Stöhnen untermalt. Unsere Atemfrequenz steigt an. Wir schaukeln uns gegenseitig in immer höhere Sphären bis wir schließlich gleichzeitig kommen. Befriedigt sitzen wir voreinander und lächeln uns an. Unser Atmen normalisiert sich wieder. Sie winkt kurz in die Kamera und beendet darauf ihren Stream. Das war geil! Ich speichere ihr Profil in meinen Favoriten, fahre den Computer herunter und gehe schlafen.
Semesterpause - Personalisierte Materie
Ich brauch' 'nen Aschenbecher für unterwegs. Gedacht, getan! Vom Format her ist diese Pulmoll-Dose geeignet. Sie ist bedruckt. Gebrandet so zu sagen. Entbranden! Man nehme ein Schleifpapier und schleife die Dose bis sie blank ist. Also eine persönliche Note durch die Bearbeitung hinzufügen. Machen Architekten auch nicht anders. Durch die geplante Anordnung von bearbeiteter Materie kommt man zu einem personalisierten Bild. Jeder Backstein ist ein Stück von dem Hersteller, dem Maurer und dem Planer.
Theoriesemester - Telepathische Gremien
Shit! Verschlafen! Und das am ersten Vorlesungstag! Naja... Kurz herrichten und dann ab an die Uni. Zu Bau- und Bodenrecht komme ich noch rechtzeitig. Als ich den Campus erreiche bin ich bereits bei der dritten Zigarette und diese reicht bis vors Vorlesungsgebäude. Ich drücke sie in meinem neuen Taschenascher aus, atme den letzten Rest aus und betrete das menschenleere Foyer. Alle schon im Vorlesungssaal. Als letzter betrete ich diesen und suche mir ganz hinten einen Platz den ich gerade noch einnehme bevor der Prof den Raum betritt. Nach seiner Begrüßung geht's direkt los mit der Definition von Flächennutzungsplan (vorbereitender Bauleitplan) und Bebauungsplan (verbindlicher Bauleitplan). Während seinen Ausführungen springe ich gedanklich immer wieder zwischen der Sachebene und der metaphorisch persönlichen Ebene. Nach einer Weile wird mir dann so einiges grundsätzlich klar: Jede persönliche Entwicklung eines Individuums wird durch ein oberstes telepathisches Gremium analysiert, geplant und gesteuert. Hierbei befinde ich mich im Übergang zwischen Analyse und vorbereitender Planung. Der Flächennutzungsplan resultiert aus der telepathischen Kapazität der Geistesgemeinschaft und ist durch thematische wie moralische Regelungen definiert. Fläche ist somit metaphorisch als das Gebiet der telepathischen Einsatz- und Steuerungsbereiche zu verstehen. So werden beispielsweise in der Analysephase seelische Störungen wie Pädophilie erst induziert, dann analysiert und später verifiziert beziehungsweise verworfen. So wurde mir bei der passenden Gelegenheit (nach dem Radiobericht einer Vergewaltigung eines Kindes) ein gefühlstechnisch und seelisch-geistiger Kontakt zu dem besagten Kinderschänder aufgezwungen und dieser beeinflusste mich durch Energieflusssteuerung in die Lendengegend was zu sexueller Erregung führte und konfrontierte mich mit dann dem absurden Gedanken dass Kinder sexuell anziehend seien. Die Auseinandersetzung uferte in einen Wutausbruch meinerseits in dem ich versuchte ihn soweit zu beeinflussen, dass er sich den Penis abschneidet. Ich schlug mit dem metallenen Teppichmesser, welches ich zur materiellen Unterstützung meiner Überzeugung dauerhaft in der Hand hielt auf den Küchentisch ein bis ich schließlich die bildliche Rückmeldung (wie das Senden eines JPGs, kurzes Aufblitzen des Sichtfeldes des Verbundenen) der blutverschmierten Hand des Vergewaltigers sah. Moralisch werden im Flächennutzungsplan verifizierte (beispielsweise pädophile) Störungen aussortiert und der Entsprechende bekommt eine Sperre. Die Analyse wird aufgrund möglicher genetischer Veranlagung die im kollektiven Gedächtnis gespeichert ist durchgeführt. Da der Vater meiner Großmutter pädophil veranlagt war, wurde ich überprüft. Des Weiteren werden mögliche Kriegsverbrechen im Ahnenkreis gesucht. Thematisch reduziert sich der Flächennutzungsplan auf das Feld des Geschäftslebens was jedoch auch Personennetzwerke, Kreativität und den Umgang der telepathischen Werkzeuge/Handlungen beinhaltet. Gefühlsleben und Sym- oder Antipathie werden ausgeschaltet oder ignoriert. Dies gehört in dem persönlichen Bereich wo Lebensbauplanung weniger überwacht wird. Wobei hingegen Schlüssel- und Knotenpersonen im Netzwerk mit Lebensereignissen wie Liebe, Romantik und seelischer Verbundenheit mit dem Geliebten versorgt werden um Ausgeglichenheit, Motivation und deren gesellschaftliche Stellung zu festigen oder sogar zu erhöhen. Doch dies sei nur am Rande erwähnt. Der verbindliche Bauleitplan (Bebauungsplan) kommt erst später zu tragen. Demnach weiß ich darüber noch nicht so viel. Alles Learning by Doing...
Theoriesemester - Wetten dass..?
Fertig für heute! Scheiß Uni! Keinen Bock mehr... Entwurf war wieder mühsam. Coop Himmelb(l)au Team hat immer was auszusetzen und Jacques Herzog sowieso. Auf den höre ich gar nimmer. Seit dem Vortrag an der ETH Zürich hab ich sowieso gemerkt, dass er voll der Egomane ist. Klar ER! hat das Ornament in der modernen Architektur neu erfunden... Is' klar... Ornamente gibt's ja nimmer... In arabischen Kulturen haben sie ja noch nie davon gehört... Ich könnte kotzen über derartige Selbstbeweihräucherung. Jetzt erst mal Glotze anschalten und berieseln lassen... Ah! Gerade beginnt "Wetten dass..?" Otto Waalkes, die Hübsche Gewinnerin von der aktuellen Ausgabe "Germany's next Topmodel", Phil Collins, Cameron Diaz, Christoph Walz, Seth Rogen, Justin Bieber, Cher, Take That, und noch welche die mir nicht viel sagen sind da. Könnte lustig und cool werden. Den Wuschelkopfmoderator mag ich ja nicht ganz so sehr... Aber er macht seine Sache schon ganz gut. Jetzt labert er sowieso erst mal rum bis die erste Wette kommt... Ich mache mir was zu essen! Käsebrot gibt's. Butter hab ich keine aber egal. Käsebrot ist ein gutes Brot laut Helge Schneider. Was? Otto hat 'nen neuen Film gemacht, den ich sowieso nicht schauen werde... Hoch interessant! Egal, daneben sitzt Sara (die von GNTM) und sieht gut aus. Das reicht mir erst mal.
Praxissemester - Beginn der Piaphilie
Freitag - Karlsruhe – dreizehn Uhr aufstehen, frühstücken, Zeitung lesen und Duschen. Unter der Dusche nervt mich mein schweizer Prof und kommentiert alles was ich mache. Als er mit seinem Dialekt sagt: Nun wäscht er sich den Schwängel!, muss ich dann doch auch lachen. Zeug für Stuttgart zusammenpacken und Anzeige bei mitfahrgelegenheit.de reinstellen denn am Montag geht mein Praxissemester los im Architekturbüro. So bekannt wie ich mittlerweile auf der Metaebene bin, will bestimmt jemand mitfahren. Wenn sie mich im Netz erkennen. Und wirklich! Da rufen drei an und zwei Leute fahren mit. Abfahrt mit dem geliehenen Auto von einem Freund am Bahnhof Karlsruhe Südausgang. Echt nette Typen die beiden. Einer erzählt er habe in der Schule kaum was gelernt und trotzdem bessere Noten als sein Sitznachbar geschrieben. Klare Sache: Auch ein Telepath der die Hirne in seiner Umgebung mitnutzt... Als ich im Irish Pub ankomme durchströmt mich eine derart gute Laune. Echt super. Viele Leutz sind da. Kurze Tele-Konferenz mit befreundetem früheren Nachbar: Ich: Hey!, Er: Jupp!, Ich: Pub?, Er: Jupp! - So schnell klärt man das auch ohne Handy und so'n Krams. Dann kam er auch kurz darauf. Außerdem noch sieben weitere Freunde uuuund Pia! Ja, diese Pia in die ich bestimmt ein Semester verliebt war. Meine zweite große Liebe! Darauf erst mal einen rauchen gehen mit dem Kifferkumpel! Wohlig warmes Gefühl... liebesdurchströmt... Wir sind wieder im Pub im Biergarten. Langsam atmet Pia tief ein und ihre Brust hebt sich. Jeden Atemzug spüre ich genau so wie sie. Doch plötzlich ein Störfaktor: Der Freund von ihr! Zeit für ein Gehirn-Anspannungs-Battle: Verzieh dich sie gehört mir denk ich zu ihm und er kuscht. Darauf gleich die Reaktion der anderen: So macht man das aber nicht! Komm wieder in die Realität. Wahrscheinlich saß ich während dem Anspannen mit geschlossenen Augen und verkrampften Gesicht wie beim Scheißen auf meinem Stuhl. Ein anderer Kumpel fragt mich ob alles in Ordnung sei, und mir tut meine telepathische Überlegenheit dem Freund von Pia gegenüber schon fast leid. Spaziergang mit Kumpel: Kernaussage meinerseits: Ich glaub ich werd verrückt, dass ich die Leute hör... Wieder zurück in der Alten Schule und es stellt sich die Frage wohin wir gehen... Vielleicht zu mir... Klär es kurz telepathisch ab mit meinen Eltern doch wie sie mir vorher auch schon sagten wollen sie heute ihre Ruhe. Dann eben auf den Spielplatz. Alle bis auf zwei Freunde die morgen Termine haben kommen mit. Pia telefoniert mit ihrem Freund woraufhin ich sie nach dem Telefonat frage wie's ihm geht... Gut!... Ich bin wieder beruhigt. Als dann alle mit der Zeit gehen und ich nur noch mit Spaziergangs-Kumpel auf der Tischtennisplatte sitze und noch den einen oder anderen rauche, kommen plötzlich die Bullen... Schnell das Gras versteckt und seriös tun... Sie schicken uns heim... Klar dass die Nachbarn auch bei unserer leisen Unterhaltung die Bullen gerufen haben. Meine andauernde telepathische Aura hält wohl die Anwohner davon ab ihr beschissenes Unterschichten-Fernsehen zu genießen.
Praxissemester - Drauf geschissen
Shit! Verschlafen! Und das am dritten Tag im Architekturbüro. Anziehen und los! Bis neun Uhr muss ich da sein. Ich sprinte zum Bus und erwische diesen gerade noch so. Dann umsteigen am Ostendplatz und nochmal am Stöckach um schliesslich abgehetzt im Büro in Cannstatt anzukommen. Um acht Uhr und neunundfünfzig Minuten öffne ich die Glastür zum Großraumbüro, lege meine Tasche an meinen Platz und schalte den Computer an, dass dieser hochfährt während ich meine Jacke an der Garderobe aufhänge. Doch eine Sache hatte ich nicht bedacht als ich so hastig von zu Hause aufgebrochen bin. Ich war noch nicht gross auf Toilette heute. Klar gibt's im Büro eine Toilette, aber irgendwie spüre ich, dass ich von meinen Kollegen immer mehr wahrgenommen werde. Langsam geht mir diese telepathische Präsenz auf dem Sack. Nicht mal kacken kann ich in Ruhe ohne die Kommentare der anderen in meinem Kopf zu hören. "Drauf geschissen" denke ich zu den anderen und stehe auf. Ich bewege mich Richtung Toilettentür bis ich schließlich auch das Amüsement der hübschen Praktikantin spüre. Doch der Plan wird durchgezogen und ich scheiß einfach auch wenn es die anderen körperlich spüren werden. Sollen sie doch weg denken wenn es sie stört denke ich zu ihnen während ich auf der Porzellanschüssel sitze und ihnen telepathisch einen olfaktorrischen Eindruck meiner Scheiße sende.
Praxissemester - Anatomieüberprüfung
Shit! Oma ist im Krankenhaus. Ich besuche sie. Nur dummer Weise ist auf ihrer Station gerade ein Virus im Umlauf demnach darf ich nur mit Maske, Kittel und Handschuhen rein. Ich lege den Kittel und die Maske an. Na super... Handschuhe gibt es nur noch in Größe S. Irgendwie zwänge ich meine Hände in die Handschuhe. Es fühlt sich an als hätte ich Schwimmhäute zwischen den Fingern. Was zufällig erscheinen könnte ist jedoch vorbestimmt... Ich spüre die Schwimmhäute förmlich als wären sie ein Teil von mir. Oder von uns. Oder besser gesagt von dem Wesen mit dem ich gerade telepathisch verbunden bin. Eigentlich auch logisch, dass sich extraterrestrische Wesen als erstes mal telepathisch verbinden. Durch Quantenverschränkung in den Gehirnen ist die Informationsübermittlung auch eindeutig schneller als über die langsamen Funkwellen in Lichtgeschwindigkeit. Wo sie sind weiß ich nicht aber sie sind da! Im Krankenhaus würde ich mich als Alien auch als erstes telepathisch einklinken, da dort eine klare Überprüfung der menschlichen Anatomie erfolgen kann.
Praxissemester - Basras Tod
Basra ist tot. Unsere Hündin ist heute in dem Schoß meiner Mutter gestorben. Es war auch nur noch eine Qual für sie zu leben mit Leukämie. Ich trage ihren Leichnam runter ins Auto und verstaue diesen im Kofferraum. Ich fahre mit meiner Mama in unseren Garten im Remstal um Basra dort zu begraben. Wir fahren über den Feldweg und kommen am oberen Teil des Gartens an. Lange waren wir nicht hier und das rote Törchen ist schon richtig mit Brombeeren zugewuchert. Ich stecke den Schlüssel in das verrostete Vorhängeschloss um dieses zu öffnen. Mit etwas Kraft lässt sich der Schlüssel drehen und das Schloss springt auf. Ich drücke mit meiner Schuhsohle gegen das Törchen um mich nicht an den Dornen zu verletzen. Diese haben aber das Tor so fest im Griff, dass ich mich in die Brombeeren lehnen muss um das Tor so weit geöffnet zu bekommen dass ich mit Basras Leichnam hindurch gehen kann. Ich hole sie aus dem Kofferraum, und kämpfe mich durchs Dickicht bis ich unseren Tierfriedhof erreiche wo ich den leblosen Körper ablege. Dann geht es an das nächste verrostete Schloss von unserer Gartenhütte. Erstaunlich leicht lässt sich der Schlüssel drehen. Mit einem Ruck öffne ich die Metalltür und sehe im Inneren das sich die Holzabhängung der Decke über die Zeit gelöst hat. Ich bahne mir meinen Weg zwischen den heruntergekrachten Nut- und Federbrettern zu dem Spaten der ganz hinten in der Ecke steht.
Praxissemester - Die Piamanie
Freitagabend. Endlich Wochenende! Heutiger Plan: Sich hart einen mit den Kumpels in unserem Irish Pub reinleeren. Gesagt! Getan! Als ich von draußen nach nem kleinen Joint-Spaziergang durch die westernsaloon-artige Schwingtür wieder in die Wärme komme fällt mein Blick zu unserem Tisch direkt in die großen schönen Augen von Pia! Sie lächelt mich an und winkt mir zu. Wie hat sie es geschafft hier zu sein ohne mein Wissen? Egal! Hauptsache sie ist da! Heute werde ich es schaffen endlich auszusprechen was wir beide denken. Ich gehe zum Tisch und wir umarmen uns zur Begrüßung. Ich spüre ihren Atem an meinem Hals als wir die Umarmung wieder lösen und uns setzen. Unsere gemeinsamen Kumpels machen Späße und zwischen den Zeilen merke ich, dass Sie metaphorisch über uns reden. Immer wieder treffen sich Pias und meine Blicke. Hier ist eindeutig das falsche Setting um zusammen zu kommen. Die ollen Kumpels möchten wohl nicht, dass das geschieht. Frustriert bestelle ich das nächste Getränk. Container Schorle. Den halben Liter des Weißwein-Wasser-Gemischs habe ich in wenigen Minuten geleert. Nächste! Gut, dass das Servicepersonal im Pub immer alles auf meinen Bierdeckel schreibt denke ich, denn mitgezählt habe ich nicht. Ich schaue auf die Liste die vor meinen Augen etwas verschwimmt. Ich schließe das das rechte Auge um zu sehen wie viel Bier und Schorlen es waren und kann es nicht richtig erkennen. Egal! Nächste!
Praxissemester - Grimms Märchen
Nach dem Vorfall mit Pia sagen mir verbal irgendwie alle ich soll mir Hilfe bei nem Psychologen suchen weil ich ihr anscheinend Angst gemacht habe und soll dem ehrlich erzählen was passiert ist. Klar, dass nicht mal Pia sich traut unsere Liebe einzugestehen. Wäre ja auch zu viel verlangt mal endlich mit ihrem Freund Schluss zu machen den sie an der kurzen Leine führt. Nur telephatisch trauen sich meine Kumpels die Wahrheit zu sagen und feiern mich hart dafür, dass sich mal endlich jemand traut laut und verbal Pia die Meinung zu sagen. Ich bin ja nicht der erste der es bei ihr versucht hat von der Clique. Die anderen sind eben einfach nur Pussys gewesen. Aber dann spiele ich eben das Spiel mit und mache was alle verbal sagen! Ich google einmal im Umkreis nach einem Psychologen, rufe kurzerhand an und vereinbare ein Erstgespräch. Eine Woche später stehe ich vor dem Schild "Praxis für Psychotherapie" und rauche noch eine da ich noch zehn Minuten habe bis zum Termin. Ich inhaliere tief den Rauch in meine Lungen während ich die gestrige verbale Erzählung eines meiner Kumpels den ich traf rekapituliere: Als Pias Mutter bei ihm im Ladengeschäft war hat sie ihn wohl gefragt ob er auch mit diesem gefährlichen Typ (mir) befreundet ist was er bejate. Sie hat meinem Kumpel dann auch noch gesagt, dass ihr Mann (Pias Vater) kurz davor war die Schusswaffe raus zu holen am Abend des Vorfalls. Wer ist hier bitte gefährlich? Als Jäger ne Flinte zu haben ist ja normal, aber sie gegen Menschen richten zu wollen nur weil mal einer sich traut seiner kleinen Prinzessin Pia die Meinung zu geigen ist etwas cholerisch. Egal, ich klingel jetzt mal bei dem Psychologen. Als ich den Klingeltaster drücke schnurrt weniger Sekunden danach die Eingangstür zu dem Eingangsbereich den ich betrete. Es riecht etwas nach Sandelholz Räucherstäbchen und ich bewege mich zum Tresen auf dem goldene Klangschalen stehen und eine Dame dahinter vor dem Computer sitzt. "Der Therapeut ist gleich für sie da." sagt sie nachdem ich mich vorgestellt habe und bittet mich Platz zu nehmen auf einem der drei rot gepolsterten Stühle die in einer Raumniesche stehen. Kurz drauf kommt ein Mann aus einer Tür und bittet mich herein. Im Sitzungszimmer stehen zwei schwarze Ledersessel etwa vier Meter voneinander entfernt auf einem alten Perserteppich und der Therapeut bittet mich auf dem hinteren Platz zu nehmen. Er setzt sich mir gegenüber in den anderen Sessel nimmt ein Klemmbrett mit leeren DinA 4 Blättern und einen Kugelschreiber zur Hand. Während er mich über seine Brille anschaut sagt er schließlich: "Dann erzählen sie mal!" Puh! Wo soll ich anfangen? Sei ehrlich haben meine Kumpels gesagt und erzähle es wie es für dich passiert ist. Ich starte mit der Schulzeit in der ich Pia in der neunten Klasse kennengelernt habe und dass wir derzeit ineinander verliebt sind und die ganze Geschichte mit unserer telepathischen Beziehung bis hin zu dem Vorfall. Nach meinem zehnminütigen Monolog unterbricht er mich indem er sich nach vorne lehnt und mit der Hand eine beschwichtigende Geste macht. Er schaut mich kritisch an und sagt: "In ihrer Situation kann ich ihnen leider nur helfen indem ich in ihrer akuten Phase einen Termin mit einem mir bekannten Psychiater ausmache." Er bittet mich noch kurz im Sessel zu warten und geht aus dem Zimmer zu seiner Sekretärin. Durch die Tür kann ich nur ein dumpfes Murmeln der beiden wahrnehmen. Nach ungefähr drei Minuten kommt der Therapeut wieder ins Zimmer und übergibt mir einen Zettel, verabschiedet mich und ich gehe schließlich durch den Vorbereich und die Eingangstür bis ich die frische Luft auf der Straße erreiche. Ich studiere den mir mitgegebenen Zettel: Morgen, 11 Uhr Doktor Grimm steht darauf und noch eine Adresse in Esslingen. Na das kann ja heiter werden!
Epilog - Scheiß auf Signale!
Was für Signale sendet ein Mensch aus wenn dieser sich zu seinem Gegenüber hingezogen fühlt? Durch die Haare streichen? Oder ist das Unsicherheit? Manch einer verwechselt Freundlichkeit seines Gegenübers mit Zuneigung oder Interesse an der eigenen Person. So auch ich damals bei Pia. Scheiß auf Signale! Wenn man nicht fragt, kann man noch so viel in das Verhalten anderer hineininterpretieren. Grundsätzlich gilt: Nur ja heißt ja! Mehrere psychotische Phasen, mehrere Krankenhausaufenthalte, verschiedene Medikamente, Therapie, Verzicht auf Cannabis und Alkohol, und meine jetzige Partnerin hat es gebraucht um aus mir einen einigermaßen selbstreflektierenden Menschen zu machen. Meine erste und längste psychotische Phase von der die Geschichte inspiriert ist, liegt nun über zwanzig Jahre zurück und konnte nur durch den eigenen Leidensdruck und die damit verbundene Einweisung in die Klinik sowie starke Medikamente aufgehalten werden. Ist man ist fremd- oder selbsgefärdend kann eine Zwangsanweisung angeordnet werden. Oder der Leidensdruck der in einer Psychose vorkommen kann ist so groß das man sich nicht wehrt wenn die Angehörigen sagen sie bringen einen jetzt ins Krankenhaus. So war es bei mir. Ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, dass sie das für mich getan haben. Das Schlimmste an einer Psychose ist nicht Angst oder Leidensdruck sondern, dass man sich gut fühlen kann in einer akuten psychotischen Phase und nicht checkt, dass man krank ist. Ich will gar nicht wissen wie viele Schwurbler in einer akuten Psychose stecken die niemals behandelt werden wird weil sie sich in dem in ihrem eigenen Hirn aufgebauten Paralleluniversum wohl fühlen, und somit der Leidensdruck so gering ist, dass sie sich keine Hilfe holen. Bei Fremd- oder Selbstgefährdung können sie natürlich eingewiesen werden.
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